...zur eigenen Arbeit ...künstlerisch arbeiten ist für mich wie das Wachsen für den Grashalm Grashalme MÜSSEN wachsen scheinbar schwach sind sie dennoch fähig sich nach jeder NIEDER-LAGE wieder aufzurichten... Diese Niederschrift (im Katalog von 1996 nachzulesen) besitzt nach wie vor Gültigkeit fuer mich. Hauptthema ist die Wechselbeziehung der Menschen zueinander, zu den Tieren und Pflanzen. Innen und Aussen sind durchlässig, Grenzen werden hinterfragt oder neu gezogen. Seit 2001 gewinnt noch eine andere Thematik an Wichtigkeit, nämlich alltägliche Erfahrungen, die kleinen Dinge unserer Existenz, die oft unterschätzt, mehr Bedeutung besitzen, als ihnen im Allgemeinen beigemessen wird. Familienereignisse, politische Situationen oder Naturereignisse wie die Flut im August 2002 sind Beispiele dafür. Auch hier sind unsere Verbindungen mit der Umgebung, die soziale Situation, Faktoren, die uns seit der Kindheit prägen. Im Projekt ZEIT-LEBENS-ZEIT habe ich diese Thematik in Objekten, Collagen und einer Computeranimation bearbeitet. Zeit steht niemals still - oder doch ? - oder ist sie nur eine Fiktion in unseren Köpfen? Die von mir angewendeten Techniken bieten die Möglichkeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf einer Ebene stattfinden zu lassen. Verblüffende Erkenntnisse sind oft die Folge. Verbindungen zwischen scheinbar längst Vergangenem und Gegenwärtigen werden sichtbar. Fragen lösen sich auf, werden zu Antworten, der lange Arm der Vergangenheit greift nach der Zukunft. Eine kreisförmige Bewegung entsteht, lineares Denken wird fragwürdig. So sind auch meine Arbeiten niemals fertig, sie haben lediglich ein einstweiliges Stadium der Ruhe gefunden. Manche bleiben so. An anderen arbeite ich in Abständen weiter. Aquarelle und Collagen sind so angelegt, dass sie lediglich den Ausschnitt eines grösseren Ganzen darstellen. Es muss jederzeit möglich sein, in der Vorstellung über die Ränder hinauszuarbeiten. Entscheidend ist somit die Wahl des Ausschnittes. Sie wird bestimmt vom Stand meiner Persönlichkeitsentwicklung im Moment des Arbeitens. Oft verwende ich archetypische Symbolik, da sie für mich einen Teil des kollektiven Unbewussten verkörpert, das unsere Individualität wieder mit der Allgemeinheit verbindet. Denn was ist eigentlich "individuell"? Wir alle sind Produkte von Erbfaktoren, Traditionen und dem sozialen Umfeld. Bei aller Beliebigkeit und Austauschbarkeit gibt es dennoch sensible Unterschiede. Denen spüre ich nach - denn sie sind es, die unsere Individualität ausmachen. Leonore Adler